Gipfelkreuze sind für die meisten Wanderer nach einem anstrengenden Aufstieg ein willkommenes Ziel. Meist erwartet man ein schmiedeeisernes Kreuz oder ein schlichtes Holzkreuz. Doch ich stehe vor einem Gipfelkreuz aus Glas: transparent, mehrschichtig und mit grünen Streifen verziert. Ich muss es unbedingt mit meinen Händen anfassen, um zu glauben, dass hier wirklich Glas einen Berggipfel schmückt! Die 2.339 Meter hohe Schartwand im Tennengebirge ist deshalb ein beliebtes Wanderziel hier im Salzburger Land.
Lohnt sich die Wanderung zum Gipfelkreuz aus Glas?




Wir sind unterwegs im Tennengebirge im Salzburgerland. Der mächtige Gebirgsstock erstreckt sich über rund 60 Quadratkilometer und zeichnet sich vor allem durch sein verkarstetes Gelände aus. Davon bekommen wir heute bei unserer Wanderung auf die Schartwand genug zu sehen.
Die scheinbar endlose Weite dort oben, wo sich Gipfel an Gipfel reiht, fordert unsere Kondition ganz schön. Warum wir ausgerechnet diesen Gipfel gewählt haben? Weil er auf seinem höchsten Punkt mit einem einzigartigen Gipfelkreuz aus Glas geschmückt ist. Meine Mama hat es schon oft auf Bildern gesehen und hat sich zum Ziel gesetzt, es einmal live zu sehen.
Fototipp: Ein Gipfelfoto vom Kreuz aus Glas ist sozusagen ein Muss. Je nach Sonnenstand könnt ihr die Sonnenstrahlen durch das Glaskreuz durchfotografieren und man sieht so bestens, dass es wirklich transparent ist. Versucht bitte nicht, es in irgendeiner Weise zu beschädigen, auch wenn die Verwunderung von Glas am Berg für viele groß ist!
Anreise nach Werfenweng
| Strecke: | 12,5 km |
| Höhenmeter: | 1.320 hm |
| Gehzeit: | 7 Stunden |
| Schwierigkeit: | mittelschwer |
| Einkehrtipp: | Hackelhütte |
Die Anreise nach Werfenweng zum Wanderparkplatz in der Wengerau ist wie im Film, wenn es heißt: „Man fährt in die Berge“. Von der A10-Tauernautobahn fährt man bei Werfen ab und folgt der Beschilderung nach Werfenweng. Durch den Ort fährt man nicht zur Talstation der Bergbahn, sondern in die Wengerau, wo sich ein großer, gebührenpflichtiger Parkplatz befindet.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist möglich, aber nicht optimal. Es fährt zwar ab Salzburg die S-Bahn der ÖBB nach Werfen, aber der Regionalbus 520 hinauf nach Werfenweng fährt nur ganz früh am Morgen, einmal um die Mittagszeit und dann erst wieder am Abend.
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Viel Wasser und Offline-Wanderkarte einpacken
Pünktlich um 8 Uhr schlagen wir die Autotüren am Parkplatz zu. Gott sei Dank sind unsere Rucksäcke nicht allzu schwer, denn auch wenn die heutige Tour auf die Schartwand lang ist, benötigen wir außer Proviant, festes Schuhwerk und (sehr) viel zu trinken keine besondere Ausrüstung. Wanderstöcke sind im karstigen Gelände und im Geröll von Vorteil, und auch Sonnenschutz sollte man auf jeden Fall mitnehmen, denn mit schattigen Rastplätzen ist das Tennengebirge gnadenlos geizig.
Wenn ihr das erste Mal auf diesem riesigen Hochplateau unterwegs seid, ladet euch unbedingt die Wanderkarte herunter, denn auf dem Plateau hat man oft wenig bis gar keinen Empfang, und die Wege und Beschilderungen sind nicht immer hundertprozentig eindeutig. Vor allem die Schartwand ist nicht bis zum Gipfelaufschwung markiert.
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Aufstieg aufs Hochplateau im Tennengebirge
Unsere Mutter-Tochter-Wanderung beginnt bei einem Mast mit mindestens zehn gelben Wegweisern, die gleich deutlich machen, wie viele Gipfel und Touren hier möglich sind. Wir halten uns leicht rechts und gehen zunächst in Richtung Hacklhütte.
Nach knapp 1,5 Stunden sind wir dort angekommen, und auch wenn es schon nach frischem Kuchen duftet, müssen wir uns diesen erst verdienen. In mehreren Serpentinen und viel über Geröll steigen wir zur Tauernscharte auf, dem Verbindungssattel zwischen Tauernkogel und Napf.
Dort oben auf 2.100 Metern glaubt man, ohnehin nur noch gut 300 Höhenmeter bis zum Gipfel der Schartwand vor sich zu haben, doch erst hier wird einem die Dimension des weitläufigen, verkarsteten Hochplateaus des Tennengebirges bewusst.
Wir sind mitten durch die Südflanken hier heraufgewandert, und wir schwitzen. Die Sonne knallt erbarmungslos vom Gipfel, und wir brauchen eine kurze Trinkpause. Kurz erholt, geht es weniger anstrengend im leichten Bergauf und Bergab auf den Eiskogel zu.
Dieser Gipfel ist vor allem im Winter bei Skitourengehern auch sehr beliebt. Nun macht sich die heruntergeladene Wanderkarte bezahlt, denn auch wenn der Weg im Schuttgelände gut sichtbar ist, muss man sich auf den letzten Höhenmetern zum Gipfel der Schartwand etwas anstrengen in der Orientierung.
Das gläserne Kreuz an der Schartwand
Für den Gipfelanstieg geht man zunächst am besten quasi unterhalb der Schartwand vorbei und steigt dann von der Westseite aus zum Gipfel hinauf. Dann glitzert es uns schon entgegen: das Gipfelkreuz aus Glas. Ich sehe das Grinsen im Gesicht meiner Mama und freue mich, dass sie sich so freut.
Am Gipfel ist es windstill, was im Tennengebirge nicht oft der Fall ist, und nach vielen Gipfelfotos, Detailaufnahmen und Selfies setzen wir uns ein paar Meter vom Kreuz entfernt in die Wiese zur wohlverdienten Gipfeljause. Vor uns liegt der Fritzerkogel, ebenfalls einer der höchsten Gipfel des Tennengebirges, und etwas weiter rechts leuchtet der Gletscher des Dachsteins.
Ich liege gemütlich in der Wiese, und Mama macht nochmals Fotos vom Glaskreuz. Wer auf die Idee gekommen ist, hier ein gläsernes Kreuz als Gipfelschmuck aufzustellen, habe ich noch nicht herausgefunden, aber ich finde es genial!
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Fazit
Der Abstieg von der Schartwand ist identisch mit dem Aufstiegsweg. Je nach Kondition, Zeit und Lust könnt ihr mit jeweils etwa +1 Stunde Gehzeit die Gipfel von Eiskogel, Napf oder Tauernkogel mitnehmen. Uns gelüstet nach dem Kuchen, den wir schon im Aufstieg gerochen haben, und wir steigen ab zur Hackl-Hütte. Zufrieden schlürfen wir unseren Kaffee und haben dabei besten Ausblick ins Salzachtal.
Wir sehen bis zu den höchsten Gipfeln der Hohen Tauern, dem Großglockner, sehr gut erkennbar auch das Wiesbachhorn und ganz nah uns gegenüber den majestätischen Hochkönigstock. Nachdem es meiner Mama hier heute so gut gefallen hat, bin ich gespannt, welchen Gipfel sie das nächste Mal auswählt. Vielleicht den Hochkönig?
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