Die Kraft des Windes spüren, der dich mit einem Gurt um die Hüfte über die Wassermassen zieht, während du mit einem Brett an den Füßen die Richtung bestimmst. Der Fahrtwind verwirbelt die Haare, und das Wasser glitzert beim Springen unter dir – das ist Kitesurfen. Doch aller Anfang ist schwer. Ich habe deshalb die fünf wichtigsten Tipps für euch, um mit diesem Wassersport anzufangen.
Die Sportart Kitesurfen im Überblick
Als Kind hast du bestimmt schon einmal einen Drachen steigen lassen. Ein Kiteschirm ist im Prinzip nichts anderes als ein überdimensional großer Lenkdrachen. Dieser ist mit einem Hüftgurt (Harness) an deinem Oberkörper befestigt und zieht dich durch die Kraft des Windes über das Wasser. Dabei stehst du auf einem Board und lenkst mit zwei langen Leinen den Schirm. Mit genügend Übung kannst du sogar mehrere Meter hoch springen und in der Schwerelosigkeit schweben.
Der Sport, wie wir ihn heute kennen, ist relativ jung. Erst gegen Ende der 1990er Jahre, also seit knapp 30 Jahren, ist Kitesurfen durch neue Technologien bekannt geworden. Aktuell gibt es etwa 1,5 Millionen aktive Kiter an Seen und Küsten, mit steigender Beliebtheit. Bei den Olympischen Spielen 2024 werden in diesem Jahr sogar Medaillen an Kitesurfer vergeben.
Kitesurfen kann jeder mit einem guten allgemeinen Fitnesslevel erlernen. Für den Sport benötigt man eine ausreichend große Wasserfläche, ohne störende Bäume oder Sträucher, und genügend Wind (mindestens 10 Knoten). Wellen auf dem Wasser sollten weiße Gischt aufbauen. Viele Spots sind speziell für Kitesurfer gekennzeichnet. Kitesurfen auf Binnengewässern ist normalerweise verboten, es sei denn, es gibt Sonderlizenzen. An einigen Kitespots ist zudem eine VDWS-Lizenz Voraussetzung.
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#kitesurfen
Für wen ist Kitesurfen geeignet?
Kitesurfen eignet sich für fast alle, die mental und körperlich fit sind. Ihr benötigt sowohl Körperkraft als auch mentale Aufmerksamkeit. Der Sport ist ideal für Abenteuerlustige und Action-Fans, die Freude an Outdoor-Aktivitäten und Wassersport haben. Kinder können Kitesurfen bereits ab etwa sechs Jahren ausüben; aus Sicherheitsgründen wird jedoch ein Mindestgewicht von etwa 45 kg empfohlen.
Wie schwer ist es, das Kitesurfen zu erlernen?
Kitesurfen ist relativ einfach zu erlernen. In speziellen Kitekursen lernt ihr zunächst an Land den Umgang mit dem Kite und erhaltet Theorieunterricht über Wellengang, Windverhältnisse, Hindernisse und Vorfahrtsregeln. Danach seid ihr normalerweise recht schnell auf dem Wasser und könnt an eurem Können feilen. Bald sind dann auch die ersten Sprünge möglich.
Wie lange dauert es, bis ich Kiten kann?
Normalerweise werdet ihr schnell Fortschritte sehen. Das Wichtigste ist, dass ihr einen sicheren Umgang mit dem Kite erlernt und alle Sicherheitsmechanismen für den Notfall beherrscht. Sobald ihr versteht, wie man den Kite lenkt, werdet ihr bald im Wasser sein und die ersten Meter fahren.
Meist stellt sich der Erfolg schon nach 2-3 Stunden ein. Das Ziel nach einem Mehrtageskurs ist es, einige Meter auf dem Brett zu fahren, eventuell schon die Fahrtrichtung zu bestimmen und gegen den Wind zu kreuzen. Anschließend könnt ihr euch recht schnell an waghalsige Sprünge heranwagen.
Ist Kitesurfen teuer?
Kitesurfen kann durch hohe Anfangsinvestitionen für Ausrüstung (ab 1.000 Euro) und Trainingskurse (ab 150 Euro) sowie zusätzliche Reisekosten zu geeigneten Spots finanziell sehr teuer sein. Ihr könnt jedoch auch die gesamte Ausrüstung mieten (etwa 100 Euro pro Tag). Trotz der recht hohen Kosten ist der Spaß auf dem Wasser (aus meiner Sicht) die Investition wert.
Fototipp: Bittet euren Kitelehrer, ein Foto von euch zu machen, entweder beim Starten eures Kites an Land oder direkt in Aktion auf dem Wasser. Es sieht besonders cool aus, wenn ihr den großen, bunten Schirm in der Luft kontrolliert und dabei in die Kamera grinst.
1. Equipment zunächst leihen statt kaufen

Puh – wie teuer! Für ein gutes Kitesurfset muss man mit 2.000 bis 3.000 Euro rechnen. Die teuren Schirme kosten einiges. Seid ihr euch aber sicher, dass ihr den Sport noch einige Zeit lang ausüben werdet, dann lohnt sich die Investition.
Zum Kaufen sind Second-Hand-Kiteshops empfehlenswert. Hier solltet ihr aber darauf achten, dass die Kites noch den neuesten Sicherheitsstandards entsprechen. Für den Anfang reicht es, das Material bei einer Kiteschule zu leihen, was etwa 100 € pro Tag kostet. Allerdings braucht ihr dafür oft eine VDWS-Lizenz.
2. Mach dich mit deiner Ausrüstung vertraut

Hauptbestandteil des Kitesurfens ist der Kiteschirm – auf Deutsch „Drachen“. Die Schirme gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: Softkites mit weichen Luftkammern ohne festes Skelett und Tubekites mit einer aufpumpbaren Fronttube für mehr Stabilität. Die Größe der Schirme ist entscheidend und wird in Quadratmetern angegeben.
Je nach Windstärke und eigenem Körpergewicht wählt man eine andere Größe von 5 bis 18 m². Bei Leichtwind bieten größere Schirme mehr Auftriebsfläche, während bei Starkwind kleinere Schirme verwendet werden. Ein Kite wird mit einer Kitebar gelenkt, von der normalerweise vier Schnüre zum Drachen führen.
Der Schirm ist mit einem Harness/Trapez, also einem Gurt am Oberkörper, befestigt. Verschiedene Sicherheitsmechanismen sorgen dafür, dass der Kite im Notfall schnell abgekoppelt werden kann. Für den Anfang verwendet man als Board ein Twintip, das mit zwei Schlaufen für die Füße ausgestattet ist.
3. Professioneller Kitekurs ist Pflichtprogramm

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Voraussetzung für einen sicheren Start als Kitesurfer ist ein Kitekurs. Verschiedene Schulen bieten Komplettkurse aus Theorie und Praxis an. Ich habe selbst zwei dreitägige Kurse absolviert und fühlte mich danach recht sicher und konnte bereits die ersten Meter fahren.
In speziellen Kitecamps lernt ihr besonders schnell und intensiv. Gedanken machen solltet ihr euch auch über den Ort. In wärmeren Gegenden braucht ihr meistens keinen Neoprenanzug, in Deutschland, Österreich und der Schweiz solltet ihr jedoch mit etwas niedrigeren Temperaturen rechnen.
Was erwartet mich in der ersten Kitesurfstunde?
Zu Beginn einer VDWS-lizenzierten Kitesurfstunde werdet ihr das Material kennenlernen. Euch wird das Material erklärt, und ihr baut das Setup auf (Schirm aufpumpen, Straps vom Board einstellen, Harness anlegen). Anschließend erhaltet ihr Theorieunterricht über den Wind, die Verhaltensregeln und die Besonderheiten am Spot.
Danach macht ihr normalerweise Flugübungen am Land. Wenn das Lenken des Drachens gut klappt, geht ihr ins Wasser und lasst euch zunächst vom Kite ohne Board ziehen (Bodydrag). Funktioniert auch das, folgen die ersten Fahrversuche mit dem Board.
Am Ende winkt dann die VDWS-Lizenz (Verband Deutscher Windsurf- und Wassersportschulen e.V.). Sie bescheinigt Kiteverleihen und Wasserbehörden, dass ihr die Voraussetzungen für die sichere Ausübung des Sports erfüllt.
Bei der Lizenz gibt es sieben verschiedene Level und eine Theorieeinheit. Je höher euer Können ist, desto höher ist euer Level. Meistens absolviert ihr die theoretische und praktische Prüfung direkt nach eurem Kitekurs. Später nehmen Kiteschulen euer Level erneut ab und bescheinigen euch das nächste Level. Die Lizenz kostet etwa 50 Euro und ihr erhaltet den Ausweis in Papierform.
4. Das richtige Gewässer für den Einstieg

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Zu Beginn sind viele Kiteanfänger Fans von Stehrevieren. Man hat ein sicheres Gefühl, wenn man bei seinen Übungen im Wasser noch den Boden unter sich spürt. Dafür eignen sich besonders die Gegenden an der Nord- und Ostsee.
Möchtet ihr karibisches Feeling, kann ich sehr den Ort Cabarete in der Dominikanischen Republik empfehlen. Auch super sind der Silvaplana-See in der Schweiz, der Reschensee in Österreich und der Gardasee in Italien. Bei letzterem startet ihr eure Kitestunden vom Boot aus und habt kein Stehrevier.
5. Kitesurfen ist kein ungefährlicher Sport

Gerne passieren Achtsamkeitsfehler oder man unterschätzt die Windkraft und überschätzt seine eigene. Deshalb empfehlen sich spezielle Wassersportversicherungen, die Kosten im Krankheitsfall oder die Bergungskosten aus einer misslichen Situation übernehmen (Bootsrettung). Versicherungen für den Extremsport gibt es bereits ab 25 €. Dennoch gilt grundsätzlich: Versucht euch und die Rahmenbedingungen richtig einzuschätzen.
Für Kitesurfen braucht ihr ordentlich Windpower. Den Wind checkt ihr am besten auf Windfinder oder Windguru und schaut, an welchen Tagen ihr mindestens 10 bis 20 Knoten Wind habt. Apropos Wind – ich empfehle euch ein Brillenband, um eure Augen vor der Sonne auf dem Wasser zu schützen und die Sonnenbrille trotzdem nicht zu verlieren.
Mein wichtigster Tipp ist, nicht alleine zu Kiten. Ihr solltet für den Notfall immer zu zweit sein. In Kitesurfer-WhatsApp-Gruppen findet ihr Gleichgesinnte oder ihr nehmt an einer Kitereise teil.
Weitere Reisetipps zum Kitesurfen
Schon gewusst? Kitesurfen könnt ihr sogar im Winter. Dann heißt der Sport Snowkiten. Auf großen verschneiten Flächen lasst ihr euch, wie auf dem Wasser, von einem Kite auf eurem Board oder Skiern ziehen. Auch dafür gibt es spezielle Kurse. Sehr beliebt ist Snowkiten an der Wasserkuppe in der Rhön, mitten in Deutschland!
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