Paragliding lernen: 7 wirklich gute Tipps für den Start

Schwerelos durch die Lüfte zu gleiten und die Welt von oben zu sehen ist ein Traum, den wohl viele haben. Beim Gleitschirmfliegen bzw. Paragliden ist genau das möglich. Allerdings gehört mehr zu dem Sport, als einfach loszufliegen. Wie Gleitschirmfliegen überhaupt funktioniert und wie man „das Fliegen“ am besten lernen kann, das zeigen wir euch mit einigen hilfreichen Tipps. 

Der Weg zum eigenen Paragliding-Schein

Um selbstständig mit einem Gleitschirm fliegen zu dürfen, benötigt man in Deutschland die sogenannte A-Lizenz. In verschiedenen Ländern gelten leicht abweichende Richtlinien zum Erwerb dieser Flugerlaubnis, doch unter gewissen Voraussetzungen ist es mit der deutschen A-Lizenz möglich, fast überall auf der Welt zu fliegen. Um diese Lizenz zu erhalten, müsst ihr an theoretischen und praktischen Schulungen teilnehmen und Prüfungen bestehen.

Angeboten werden diese von Flugschulen überall in Deutschland oder auch in Österreich, sowohl im Flachland als auch in den Bergen. Von Beginn an fliegt ihr dabei allein und erlebt bereits während der Ausbildung viele spannende Flüge. Wie ihr euch das Gleitschirmfliegen-Lernen vorstellen könnt und was auf dem Weg zum Schein wichtig ist, haben wir für euch in 7 Tipps zusammengefasst. 
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#paragleiten

Was ist der Unterschied zwischen Paragliding und Gleitschirmfliegen?

Paragliding und Gleitschirmfliegen meint die gleiche Sportart, es sind lediglich die englischen und deutschen Bezeichnungen. Abzugrenzen ist das Gleitschirmfliegen hingegen vom Fallschirmfliegen und vom Drachenfliegen.

Wie viel kostet ein Gleitschirmschein?

Die Kosten für einen Gleitschirmschein variieren etwas und hängen von verschiedenen Faktoren ab. Ohne Vergünstigungen müsst ihr mit etwa 2.000 € für die Ausbildung rechnen. Eine Ausrüstung kann man im gebrauchten Zustand mit etwas Glück schon ab etwa 1.500 € finden, für ein neues Komplettset fallen eher 3.500 – 4.000 € an. Im Idealfalls solltet ihr aber viele Jahre mit eurer Ausrüstung fliegen können.

Kann jede Person Gleitschirmfliegen?

Im Prinzip können alle, die mindestens 14 Jahre alt sind, mit der Gleitschirm-Ausbildung beginnen. Eine grundsätzliche körperliche Fitness ist allerdings zu empfehlen. Außerdem ist es schwierig, für ein Körpergewicht von mehr als 115 kg eine passende Ausrüstung zu bekommen.

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1. Tandemsprung: In das Gefühl des Fliegens reinschnuppern

Foto von 2 Menschen die gemeinsam paragliden. Im Hintergrund schneebedeckte Berge.
Paragliding-Tandem in den Alpen ©Marina Meshcherskaia

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Bevor man sich dafür entscheidet, eine richtige Gleitschirmausbildung zu beginnen, kann es sinnvoll sein, das Gefühl des Fliegens erst einmal kennenzulernen. Gerade für Menschen, die vielleicht nicht ganz sicher sind, ob sie mit dem Gefühl der Höhe umgehen können, ist es sehr hilfreich, das Abheben erst einmal unverbindlich auszuprobieren. Besonders gut eignet sich hierfür ein Tandemflug, bei dem ihr mit einem professionellen Tandempiloten zusammen fliegt.

Tandemflüge werden beinahe überall dort angeboten, wo es Fluggebiete gibt – also in den Bergen oder im Flachland an der Winde. Eine andere oder weitere Möglichkeit sind Schnupperkurse, die manche Flugschulen anbieten. Hier lernt ihr den Sport probeweise für ein Wochenende kennen und müsst euch noch nicht für die ganze Lizenz verpflichten. Hier macht ihr meistens schon eure ersten ganz kurzen, aber selbstständigen Flüge.

2. Planung: Rahmenbedingungen frühzeitig abstecken

Stecknadeln in einem Kalender
©Brian Jackson

Wie viel Zeit habe ich? Wo möchte ich Gleitschirmfliegen lernen? Es gibt Flugschulen, die Intensivkurse anbieten. Diese machen es theoretisch möglich, in nur zwei Wochen eine Lizenz zu bekommen. Allerdings ist dieses Vorhaben sehr wetterabhängig und von Person zu Person verschieden. Geht besser davon aus, mehr Zeit zu benötigen. Schon bei zwei oder drei Tagen schlechtem Flugwetter ist es kaum noch möglich, so schnell die Ausbildung zu absolvieren.

Die Intensivwochen sind häufig so aufgebaut, dass die erste Woche in einem deutschen Mittelgebirge stattfindet und die zweite in den Alpen. Hierdurch lernt ihr den Start vom Berg aus. Alternativ gibt es auch Flugschulen im Flachland, die mit einer Winde starten. Macht ihr hier eure komplette Ausbildung, so dürft ihr im Anschluss nicht automatisch auch in den Alpen fliegen, sondern müsst für den Hangstart eine Fortbildung machen.

Die regionalen Flugschulen bieten häufig Ausbildungen über einen längeren Zeitraum an. Dann sind die Einheiten meist abends oder am Wochenende – allerdings dauert die Ausbildung in der Regel dann deutlich länger. 

3. Ausbildung: Die passende Flugschule finden

Mehrere Menschen in den Bergen, die Paragliding lernen.
©photlook

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Recherchiert gründlich, welche Flugschulen für euch infrage kommen. Es gibt kleine, eher persönlichere Flugschulen mit einem begrenzten Angebot oder sehr große, die quasi zu jedem Zeitpunkt Kurse aller Art anbieten.

Die Preise variieren nicht allzu stark. Ihr solltet euch bei eurer Flugschule wohlfühlen – lasst euch in Ruhe beraten und sprecht mit den Flugschulen, bevor ihr eure Ausbildung bucht. Gerade für Studierende kann es sich lohnen zu überprüfen, ob der Uni-Sport eventuell eine Kooperation mit einer Flugschule hat und ihr so Ermäßigungen bekommt. 

4. Equipment: Ausrüstung erst leihen, dann gebraucht kaufen

©Pajaros Volando

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Zu einer Gleitschirmausrüstung gehören der Gleitschirm, das Gurtzeug, ein Rettungsschirm, ein genormter Helm, ein Funkgerät und mit der Zeit auch ein Variometer. Um letztes müsst ihr euch erst Gedanken machen, wenn ihr den Schein habt. Empfehlenswert ist es aber, sich frühzeitig die Frage zu stellen, wann in eine eigene Ausrüstung investiert werden soll.

Zwar ist es problemlos möglich, sich bei der Flugschule Gurtzeug und Schirm in guter Qualität zu leihen, doch spätestens mit dem Scheinerwerb solltet ihr zumindest eine gebrauchte Ausrüstung selbst kaufen. Anders als beim Skifahren ist es beim Gleitschirmfliegen nicht üblich, sich bei Bedarf etwas zu leihen.

Für die ersten Flüge kann man getrost auf die Flugschulschirme zurückgreifen. Geht es in Richtung der ersten Höhenflüge, kann es aber sinnvoll sein, sich eine eigene Ausrüstung zuzulegen – denn jeder Schirm fliegt anders und so lernt ihr direkt unter Fluglehreraufsicht eure eigene Ausrüstung kennen. Vergesst dabei nicht, euch richtig zu versichern.

5. Erste Flüge: Nicht zu viel erwarten

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Bei den ersten Grundflügen geht es dann erstmal ums erste Abheben. Hierbei seid ihr nur für einige Sekunden in der Luft. Trotzdem ist es ein großartiges Gefühl, das erste Mal den Boden zu verlassen! Gleichzeitig werdet ihr merken, dass ihr ganz schön viel damit beschäftigt seid, alles richtigzumachen und sicher wieder auf den Boden zu kommen.

Daher stellt sich gerade bei den ersten Flügen kaum das Gefühl des schwerelosen Fliegens ein, das man sich vielleicht vorgestellt hat. Erwartet also besser keine entspannten Panoramaflüge, denn ihr müsst beim Fliegen permanent handeln und konzentriert sein – und freut euch trotzdem über das erste Gefühl des selbstständigen Fliegens. 

Ganz anders wird es dann bei den Höhenflügen, die schon nach einer Woche Praxisunterricht beginnen können. Hier habt ihr einen Höhenunterschied von mindestens 500 Metern und lernt die wichtigen Manöver – vor allem das Starten, Landen, Kurvenfliegen und die sogenannten Abstiegshilfen, mit denen ihr möglichst schnell auf den Boden zurückkommen könnt. Hier lernt ihr die wichtigsten Techniken des Fliegens und das Gefühl, länger allein in der Luft zu sein, so richtig kennen.

6. Theorie: Angemessene Prüfungsvorbereitung

Vorbereitung zum Flugstart in Chamonix ©badahos

Recht früh steht die Theorieprüfung an. Zur Ausbildung gehören Lerneinheiten in den Fächern Luftrecht, Meteorologie, Flugtechnik und Aerodynamik. Ähnlich wie bei einer Führerscheinprüfung solltet ihr etwas Zeit zum Lernen und Einprägen einplanen, um die Prüfung zu bestehen. Alles, was ihr in der Theorie lernt, wird euch auch in der Praxis dabei helfen, gut und sicher zu fliegen.

Die praktische Prüfung bereitet den meisten mehr Sorgen als die theoretische. Versucht, möglichst entspannt zu bleiben sowie konzentriert und sicher zu fliegen. Der Prüfer möchte sehen, dass ihr die Manöver, die ihr während der Höhenflüge geübt habt, sicher und selbstständig fliegen könnt. Auch wenn es manchmal nicht gelingt, die Prüfung beim ersten Mal zu bestehen – zum Beispiel, weil ihr nicht genau genug landet – ist dies nicht weiter schlimm. Ihr könnt noch etwas mehr üben und die Prüfung wiederholen. 

7. Praxis: Dranbleiben und besser werden

Paragliding auf der griechischen Insel Kefalonia ©Igor Tichonow

Habt ihr beide Prüfungen bestanden und dürft nun allein fliegen – herzlichen Glückwunsch! Jetzt ist es wichtig, dranzubleiben und möglichst regelmäßig zu fliegen. Gerade zu Beginn ist es sicherer, an betreuten Fortbildungen oder Flugreisen teilzunehmen oder zusammen mit anderen zu fliegen. Es ist nicht so einfach, ohne viel Erfahrung Gefahren und Wetterbedingungen einzuschätzen und je mehr Routine ihr bekommt, desto sicherer werdet ihr.

Wenn der nächste Startplatz weit entfernt ist, dann hilft es, bei gutem Wind auf eine Wiese zum sogenannten „Groundhandling“ zu gehen. Hierbei übt man mit dem Schirm am Boden, ähnlich wie bei einem Lenkdrachen. Wenn das Flugfieber dann richtig einsetzt, wachsen schnell die Ambitionen.

Bei jedem Flug lernt man etwas dazu, aber gerade das Austesten neuer Fluggebiete hilft sehr dabei, sich stetig zu verbessern. Dann gibt es sicher auch schnell die ersten längeren Thermikflüge und ihr könnt euch die Welt so richtig ausgiebig von oben ansehen. 

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Schon gewusst? Es gibt ganz verschiedene Gründe, warum Menschen Gleitschirmfliegen lernen möchten. Die allermeisten träumen natürlich erstmal von dem Gefühl zu fliegen. Ihr werdet aber merken, dass es unterschiedliche Herangehensweisen gibt und der Gleitschirmsport mehrere Disziplinen hat. Während es für die einen am wichtigsten ist, möglichst weit und lang zu fliegen, möchten andere sich eher im Kunstflug ausprobieren. Immer beliebter wird das sogenannte Hike & Fly, bei dem man zunächst einen Berg hinauf wandert, um dann mit dem Gleitschirm hinunterzugleiten. Dies ist auch die nachhaltigere Variante zum Hinauffahren mit einer Gondel oder sich von einer Winde hochziehen zu lassen. Daher ist das Gleitschirmfliegen gerade für die Menschen interessant, die sich sowieso für Bergsport begeistern und ihre Hobbys so miteinander verbinden können.

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