Forststeig: Geniale Trekkingtour durch Sächsische Schweiz

Verschlafen öffne ich den Reißverschluss meines Zeltes. Die Sonne bahnt sich langsam ihren Weg durch die Bäume, und der Wald im Elbsandsteingebirge erwacht. Was für ein schönes Gefühl, mitten in der Natur aufzuwachen. Ich bin unterwegs auf dem Forststeig – eine grenzüberschreitende Trekkingroute, die 105 km durch die wildromantische Felsenlandschaft der Sächsischen und Böhmischen Schweiz führt. Übernachtet wird dabei ganz legal auf Biwakplätzen oder in Trekkinghütten. Kommt mit mir auf eine Mehrtageswanderung mit Skandinavien-Feeling!

Lohnt sich der Forststeig im Elbsandsteingebirge?

Mehrere Tage autark in der Natur verbringen, abseits der Zivilisation und weit weg vom Alltag – wer schon einmal auf einer Trekkingtour war, kennt das damit einhergehende Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit. Mit dem Forststeig wurde im Elbsandsteingebirge eine Trekkingroute in Anlehnung an skandinavische und neuseeländische Beispiele angelegt, die es Naturliebhabern ermöglicht, für mehrere Tage durch die abwechslungsreiche Felsenlandschaft der Sächsisch-Böhmischen Schweiz zu wandern. Entlang des Weges gibt es fünf Trekkinghütten und sechs Biwakplätze, die mit einer Komposttoilette und einem Brauchwassertank ausgestattet sind und von April bis Oktober kostengünstig genutzt werden können.

Im Gegensatz zum Malerweg, der rechtselbisch die touristischen Hauptattraktionen der Sächsischen Schweiz verbindet, führt der Forststeig auf der linken Seite der Elbe siedlungsfern durch einsame Wälder. Trotzdem fehlt es nicht an spektakulären Highlights und Aussichten. Die insgesamt 105 km lange Strecke bietet dabei viel Raum zur individuellen Gestaltung und kann in den empfohlenen sieben Etappen, in sportlicheren fünf Tagen oder abschnittsweise gewandert sowie in beide Richtungen begangen werden.

Fototipp: Im Elbsandsteingebirge sieht fast jedes Foto aus wie ein Gemälde. Ob die Aussicht vom Hohen Schneeberg, die morgendliche Spiegelung am Taubenteich oder die imposanten Herkulessäulen – für eindrucksvolle Naturaufnahmen bieten sich auf dem Forststeig jede Menge Gelegenheiten.

Anreise in die Sächsische Schweiz

Start:Schöna
Ziel:Bad Schandau
Etappen:7
Strecke:105 km
Beste Reisezeit:April-Oktober

Der Forststeig startet offiziell am Bahnhof in Schöna und endet in Bad Schandau. Eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist daher definitiv zu empfehlen. Von Dresden aus fährt die S-Bahn regelmäßig und benötigt bis nach Schöna eine knappe Stunde.

Auch wenn ihr nicht die komplette Route wandern möchtet, gibt es rund um den Forststeig mehrere Haltestellen, von denen aus ihr mit den Wanderbus-Linien wieder zurück zu den verschiedenen Bahnhöfen gelangt.

Wer doch mit dem Auto anreist, nutzt am besten den P+R-Parkplatz am Bahnhof Bad Schandau, fährt von dort weiter mit der S-Bahn oder wandert den Forststeig in entgegengesetzter Richtung.

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Vorbereitungen für den Forststeig

Eine Trekkingtour wie der Forststeig benötigt einiges an Planung sowie die entsprechende Ausrüstung. Um die Trekkinghütten und Biwakplätze nutzen zu können, muss man bereits im Vorfeld spezielle Trekkingtickets kaufen. Die gibt es bei den verschiedenen Partnern des Sachsenforst, wie zum Beispiel bei der RVSOE-Servicestelle am Nationalparkbahnhof in Bad Schandau. Erwachsene zahlen 10 Euro, Kinder 1 Euro pro Nacht.

Ihr solltet euch also bereits vorher überlegen, wie viele Tage ihr unterwegs sein werdet und die Etappen grob planen. Die offizielle Einteilung mit sieben Tagesetappen zwischen 10 und 20 km ist nur ein Vorschlag. Da die Schlafplätze nicht reserviert werden müssen, können die Etappen auch spontan verlängert oder verkürzt werden. Das ist vor allem bei Schlechtwetter praktisch oder wenn die Füße einmal doch nicht weiterlaufen möchten.

Falls ihr doch lieber komfortablere Unterkünfte einer Übernachtung im Zelt oder der Hütte vorzieht, ist das mit kleinen Abstechern ebenfalls möglich. Dann müsst ihr die Route im Vorfeld nur entsprechend abändern und die Unterkünfte reservieren.

Ausrüstung für den Forststeig

Anders als beim Wandern mit Tagesrucksack tragt ihr beim Trekking einige Kilos mehr auf dem Rücken. Neben robuster und schnelltrocknender Kleidung, einer leichten Zeltausrüstung sowie Isomatte und Schlafsack benötigt ihr auch Verpflegung für die gesamte Zeit. Da die Route des Forststeigs siedlungsfern angelegt ist, gibt es unterwegs kaum Möglichkeiten zum Einkaufen oder Einkehren. Es empfiehlt sich daher, spezielle Trekkingmahlzeiten und Energieriegel mitzunehmen, die ihr online oder im Outdoor-Geschäft findet.

Ebenfalls gehören ein Gaskocher plus Topf, ein Wasserfilter, ein Erste-Hilfe-Set (inkl. Zeckenzange) und eine Stirnlampe in euren Rucksack. Dieser sollte mindestens 50 Liter fassen. Immerhin die Wanderstöcke könnt ihr euch auf dem Forststeig sparen, denn wenn es bergauf- und bergab geht, dann meistens über eiserne Stiegen und Leitern. Festes, knöchelhohes Schuhwerk ist dagegen ein Muss.

Denkt außerdem an etwas Bargeld, Mückenspray, eine Mülltüte, Klopapier und gegebenenfalls eine Powerbank. In der Natur gibt es keine Steckdosen, aber der Forststeig ist sowieso ideal für ein bisschen Digital Detox, und der Empfang im Wald ist ohnehin eher schlecht.

Auch interessant: Wandern am berühmten Malerweg in der Sächsischen Schweiz

Der Forststeig in 4 Tagen

Ich habe mir für den Forststeig vier Tage Zeit genommen und sportliche Tagesetappen zwischen 20 und 30 km geplant. Da ich den Abschnitt zwischen Bad Schandau und Königstein schon mehrmals gewandert bin, spare ich mir ein paar Kilometer, starte direkt in Königstein und laufe in entgegengesetzter Richtung. Diese Strecke des Forststeigs, die über die Tafelberge Papststein und Gohrisch führt, ist aber definitiv sehr schön und eignet sich auch wunderbar für einen Tagesausflug.

Ein kurzer Zustieg, und schon erkenne ich die erste Forststeig-Markierung an einem Baum. Der senkrechte gelbe Pinselstrich wird mich in den nächsten Tagen navigieren. Der Weg führt zunächst hinauf auf den Quirl, einen von insgesamt 13 Tafelbergen auf der Strecke, durch die man unterwegs auch einige Höhenmeter sammelt.

Wieder unten geht es weiter durch den wildromantischen Wald. Über einen kurzen Umweg gelangt man zu den Nikolsdorfer Wänden – ein Felsenlabyrinth und ein tolles Ausflugsziel für Familien. Wenn ihr hier durchspazieren möchtet, solltet ihr aber euren Trekkingrucksack vorher absetzen – Steckenbleibgefahr!

Während ich hier noch auf jede Menge Tagestouristen treffe, wird es danach zunehmend leerer, je weiter ich Richtung Süden wandere. Die Waldwege sind wunderbar einsam, und die Aussichten vom Bernhardstein und vom Lampertsstein habe ich ganz für mich allein.

Einsame Forstwege und imposante Felstürme

Am zweiten Tag wandere ich wieder über einsame Forstwege bis zur tschechischen Grenze. Ich verlasse die Route und mache einen Abstecher in den kleinen Ort Ostrov, wo ich mir im Hotelrestaurant ein leckeres Mittagessen gönne und mein Handy auflade. Hier gibt es übrigens auch einen größeren Campingplatz.

Der Forststeig macht nun eine Kehrtwende und führt wieder in Richtung Norden durchs Bielatal, wo sich die imposanten Herkulessäulen befinden. Wie die 20 Meter hohen Felstürme stabil stehen können, ist für mich ein wahres Naturwunder.

Die heutige Nacht verbringe ich in der Kamphütte. Die insgesamt zehn Schlafplätze sind bereits belegt, als ich gegen 17 Uhr eintreffe, also rolle ich meine Isomatte auf dem Dachboden aus. Viele, die nach mir ankommen, kampieren in Zelten um die Hütte herum, in der es sogar einen Aufenthaltsraum mit Holzofen gibt.

Während alle ihr Abendessen zubereiten und sich ihre Wanderabenteuer erzählen, kommt ein richtiges Gemeinschaftsgefühl auf. Trekking verbindet, und auch als Solo-Wanderin fühle ich mich hier nicht allein.

EtappeStreckeHighlight
1. Schöna-Grenzbaude→15 km ↑616 hmGroßer Zschirnstein
2. Grenzbaude-Ostrov→15 km ↑383 hmHoher Schneeberg
3. Ostrov-Beutwald→14 km ↑187 hmTyssaer Wände, Zeisigstein
4. Beutwald-Rotsteinhütte→20 km ↑550 hmHerkulessäulen, Grenzplatte
5. Rotsteinhütte-Nikolsdorf→20 km ↑471 hmKatzstein, Lampertsstein, Nikolsdorfer Felsenlabyrinth
6. Nikolsdorf-Gohrisch→12 km ↑347 hmQuirl & Diebshöhle
7. Gohrisch-Bad Schandau→9 km ↑249 hmGohrisch, Papststein, Kleinhennersdorfer Stein
Offizielle Etappeneinteilung des Sachsenforsts

Highlights in der Böhmischen Schweiz

Selbst wenn die Biwakplätze und Trekkinghütten gut gefüllt sind – unterwegs auf dem Forststeig treffe ich kaum andere Menschen und kann wieder ganz viel Ruhe genießen. Ich wandere durch tiefgrüne Wälder, vorbei an leuchtend gelben Rapsfeldern und über aussichtsreiche Tafelberge, begegne Waldbewohnern wie Hasen, Füchsen und Rehen. Das perfekte Kontrastprogramm zu meinem Alltag in der Großstadt.

Am dritten Tag erwartet mich der Aufstieg auf den mit 722,8 m höchsten Berg des Elbsandsteingebirges und gleichzeitig den höchsten Punkt der gesamten Tour – den Hohen Schneeberg. Zwar verläuft der Weg hinauf ausnahmsweise nicht ganz Forststeig-gerecht über eine Asphaltstraße, dafür erwartet mich oben ein herrlicher Weitblick und ein Stück Kuchen.

Auf dieser Etappe lohnt sich auch ein Abstecher zu den Tyssaer Wänden, für den man circa zwei Stunden zusätzlich einplanen sollte. Die Felsenlandschaft in der Böhmischen Schweiz ist sehr beeindruckend, und vor allem an heißen Tagen ist es zwischen den 30 m hohen Felstürmen angenehm kühl.

Zurück in die Zivilisation

Mit einem heißen Becher Kaffee sitze ich an der Feuerstelle und schaue zu, wie die Sonne über dem Taubenteich aufgeht. Die letzte Nacht habe ich im Zelt am Taubenteich-Biwak verbracht – für mich der schönste Platz der Tour.

Ich filtere nochmal etwas Wasser aus dem nahegelegenen Flusslauf, schulter meinen Rucksack und wandere die letzten Kilometer auf der deutsch-tschechischen Grenze entlang, bis ich letztlich den Bahnhof in Schöna erreiche – verschwitzt, dreckig, aber glücklich.

Ich empfinde etwas Wehmut, dass mein Abenteuer schon zu Ende ist, und freue mich gleichzeitig riesig auf eine Dusche und mein Bett. Nach einer Trekkingtour weiß man die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens direkt wieder mehr zu schätzen.

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Fazit

Der Forststeig ist ideal für alle, die eine Auszeit vom Alltag suchen und einfach mal für mehrere Tage in die Natur abtauchen möchten, ohne gleich nach Schweden oder Kanada zu reisen. Egal, ob für zwei oder sieben Tage – die Route lässt sich ganz individuell gestalten.

Ich empfehle, wenn möglich, antizyklisch zu gehen und Wochenenden, Ferien und Feiertage zu meiden, denn dann sind die Biwakplätze und Trekkinghütten hoch frequentiert. Auf den Wanderwegen verläuft es sich aber, und unterwegs kann man trotzdem ganz viel Stille und Abgeschiedenheit genießen. Jede Etappe des Forststeigs bietet verschiedene Highlights und lässt sich auch wunderbar als Tageswanderung machen.

Lage

Praktische Links

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