Freistadt Christiania: Kopenhagens alternativer Stadtteil

Die Freistadt Christiania in Kopenhagen zieht mit seiner alternativen Kultur zahlreiche Touristen an. Als selbsternannte Freistadt bietet dieser Stadtteil eine bunte Mischung aus Kreativität, Musik und ungewöhnlichen Lebensstilen. Die Atmosphäre ist entspannt, und mit den selbstgebauten Häusern und eigenen Regeln ist Christiania auch durchaus inspirierend. Ich nehme euch mit in den alternativen Stadtteil der dänischen Hauptstadt.

Lohnt sich der Besuch von Christiania in Kopenhagen?

Christiania ist ein alternativer Stadtteil in Kopenhagen, der 1971 von einer Gruppe von Hausbesetzern auf einem ehemaligen Militärgelände gegründet wurde. Heute leben dort knapp 1.000 Menschen weitgehend autonom nach ihren eigenen Regeln. Die Kopenhagener Behörden erkennen ihn allerdings nicht als eigene Stadt an. Seit 2011 ist die Stiftung Freetown Christiania größtenteils Eigentümerin von Christiania und pachtet Grundstücke sowie Gebäude vom Staat. Finanziert wird dies durch den Verkauf von Volksaktien.

In der Vergangenheit gab es insbesondere um die etwa 200 Meter lange sogenannte Pusher Street immer wieder Unruhen, Bandenkriminalität und offenen Drogenhandel. Trotz der Kontroversen und Unruhen zieht die Freistadt Christiania jährlich hunderttausende Touristen an, die sich für die alternative Lebensweise und das vielfältige Kunst- und Musikangebot interessieren.

Anm. d. Red.: Mittlerweile ist die Pusher Street Geschichte. Im April 2024 hatten Anwohner der Kommune Christiania Stein für Stein der Straße entfernt. Unser Autor war im März in Christiania unterwegs.

Fototipp: Das Fotografieren in Christiania kann heikel sein und ist nicht überall erwünscht. Generell gilt: Je defensiver das Verhalten und je kleiner die Kamera, desto eher wird das Fotografieren geduldet.

Anreise nach Christiania

Lage:Kopenhagen
Selbstauffassung:autonome Freistadt Christiania
Einwohner:ca. 1.000
Gründung:1971 durch Hausbesetzer
Hinweis:es kann zu Unruhen kommen

Die Freistadt Christiania liegt sehr zentral, etwas östlich der Innenstadt. Am besten erreicht man ihn zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Vom Hafenviertel Nyhavn ist es rund 1 km zu Fuß bis zum Eingang der Kommune.

Vom Hauptbahnhof aus ist die nächstgelegene Haltestelle am besten mit dem Bus der Linie 2A zu erreichen. Man fährt bis zur Haltestelle Bodenhoffs Plads (Prinsessegade) und ist in etwa 8 Minuten dort. Von dort sind es nur noch 150 Meter bis zum Eingang.

Bunte Hippiewelt mit einem leichten Gefühl von Unwohlsein

Im Vorfeld liest man allerlei über dieses Stadtviertel: Drogenhandel, der Wunsch der Bewohner, nicht fotografiert zu werden, immer wiederkehrende Unruhen und so weiter. Trotzdem können Touristen ohne Weiteres dort hineingehen. Mit etwas Vorsicht wage ich also die ersten Schritte in die Kommune.

Es ist Sonntagvormittag, und die Gegend wirkt noch recht verschlafen. Die Türen der Cafés sind verschlossen, nur wenige Leute sind auf den Straßen unterwegs, darunter ein paar Besucher. Alles ist total bunt, mit Graffitis besprüht oder bemalt. Es gibt einen Platz für Konzerte und Hallen für Veranstaltungen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass hier alles voller Leben und von positiven Hippie-Vibes erfüllt sein kann, doch fühle ich mich zunächst etwas unsicher, wie ich mich verhalten soll. Nach wenigen Hundert Metern erreiche ich dann die Pusher Street.

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Durch die berüchtigte Pusher Street

Die Pusher Street ist ein etwa 200 Meter langer Abschnitt von Christiania. Schilder weisen darauf hin, dass dort nicht fotografiert werden darf. Am Eingang stehen Betonelemente und große Seecontainer, die immer wieder verwendet werden, um die Straße zu blockieren, etwa bei Unruhen.

Von außen kann man schon einige dubiose Gestalten erkennen, die offenbar Drogen verkaufen wollen. Vor mir betreten die meisten Touristen einfach die Straße, also scheint es wohl in Ordnung zu sein. Sofort liegt ein würziger Geruch in der Luft, und direkt kommt ein Angebot, Drogen zu kaufen, in einer für mich undefinierbaren Sprache. Ich lehne dankend ab und gehe weiter.

Entlang der Straße gibt es weitere selbstgebaute kleine Stände mit Pappschildern, doch danach lässt man mich in Ruhe. Weitere Betonelemente markieren das Ende der Pusher Street. Ich glaube, dass man hier mit einer defensiven Verhaltensweise und selbstbewusstem Auftreten in den meisten Fällen sicher sein wird.

Friedliches Wohngebiet Christiania und idyllische Häuser

Danach lässt die Anspannung etwas nach. In einer großen Halle versammeln sich viele Besucher, was mich anzieht. Ich entdecke eine Mischung aus Flohmarkt, Kiosk und Baumarkt. Von Dachpappe und Schrauben über alte Möbel und Bücher bis hin zu Getränken gibt es hier ein Sammelsurium von allem Möglichen, das keinem erkennbaren System folgt.

Es ist spannend anzusehen, doch wohl eher für Einheimische gedacht. Oder könntest du als Tourist etwas mit einer antiken Standuhr anfangen? Weiter hinten beginnt das eigentliche Wohngebiet. Hier stehen meist selbstgebaute, teils windschiefe kleine Häuser, idyllisch direkt am Wasser.

Anscheinend hat sich hier jeder ein hübsches Plätzchen gesucht und, je nach finanziellen Möglichkeiten, eine Bleibe errichtet. Auf den Hauptwegen bewegen sich die meisten Touristen, und ich beschließe, die kleineren Pfade zu meiden, um die Einwohner nicht zu stören. Alles wirkt nun ruhig und friedlich.

Geführte Touren und Erlebnisse

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Nette Menschen und bunte Cafés in Christiania

Es ist inzwischen Mittag geworden, und auf dem Rückweg haben einige Cafés sowie Künstlerläden geöffnet. Ein Besuch lohnt sich definitiv. Denn das Innere dieser Orte ist meist bunt und kreativ, ein wenig anders als gewöhnlich.

Man wird mit einem Lächeln begrüßt und die Leute sind sehr freundlich. In Ruhe kann man Kunstwerke betrachten, in Büchern stöbern oder einen Kaffee genießen. Nach meiner Erfahrung ist auch die Zahlung mit Kreditkarte möglich.

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Fazit

Das anfängliche Unbehagen in Christiania legt sich schnell. Als Tourist sollte man sich defensiv verhalten, nicht zu aufdringlich sein und die Privatsphäre der Einwohner respektieren. Dann wird der Besuch in diesem alternativen Stadtviertel mit seinen kreativen Bewohnern, die einen anderen Lebensentwurf gewählt haben, zu einem spannenden Erlebnis. Ein buntes Viertel mit windschiefen Häusern, das eigenen Regeln folgt, kann sehr inspirierend sein. Man sollte gut zwei Stunden einplanen, abhängig davon, wie weit man die Wohngegend erkunden möchte und ob man Zeit in einem Café verbringen will. Danach empfiehlt sich ein Spaziergang über die Fußgängerbrücke hinüber zum Nyhavn, um dort die historischen bunten Häuser zu bewundern.

Lage

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